Festivals: Summer Breeze Rückblick 2011 – Tag 2

Der Freitag begann mit einem schlechten Omen: Regen und Sturm. In der Nacht wurde ein Großteil der ansässigen Pavillons und Zelte auf Wind- und Wetterfestigkeit getestet. Die meisten haben den Test leider nicht bestanden, als ob da nicht schon genug Chaos auf einem Festival herrscht.

Aber die wenigsten Besucher haben sich die Freude nehmen lassen und so erschienen überraschend viele Menschen am Vormittag zu Trigger The Bloodshed. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob alle Zuhörer auch zufriedengestellt wurden. Die vier Jungs haben ihre Sache zwar professionell runtergespielt, das war es aber auch. Aber wer kann es ihnen um diese Uhrzeit auch übel nehmen?

Wer allerdings wirklich überraschte, waren Nervecell. Was der durch Drummer Kevin (Benighted) ergänzte Vierer da brachte, glich einem mittelfränkischen Waterloo. Man merkt den Jungs aus Dubai einfach an, dass sie riesigen Spaß haben, nicht umsonst so gepusht werden und zu einer echten Größe im Death Metal-Bereich anwachsen. Warum man so derbe Growls und geniale Gitarrenarbeit allerdings schon kurz vor der täglichen Weißwurst-Deadline spielen lässt, bleibt wohl ein Rätsel. Es war trotz unfassbarer Hitze ein sehr cooler und erinnerungswürdiger Auftritt.

Weiter ging es in einem ganz anderen Genre. Your Demise haben die Pain Stage richtig zum kochen gebracht. Alle Freunde des gesunden 2-Steps waren hier versammelt und durften ein verdammt ungestümes aber dennoch gutes Set erleben. Das ein oder andere hätte vielleicht etwas tighter gespielt werden können, aber hätte, hätte, Fahrradkete: Gutes Ding!

Und zurück zum Death Metal. Facebreaker hat mein Bruder Tobias – der außerdem die meisten Fotos gemacht hat – erst kurz vor dem Summer Breeze Festival entdeckt. Irgendwie sind die bis zu diesem Zeitpunkt unter unserem Radar durchgeflogen. Aber wir hatten Glück, denn diese Metzger sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen. Fronter Robert Karlsson hat gegrunzt, geschnaubt, gekeift und die Halsröhre bis zum letzten ausgereizt. Die restlichen Schweden haben ihn perfekt unterstützt und haben sich keine Fehler geleistet. Ein nahezu perfektes Konzert.

Nach einer kurzen Verschnauf- bzw. Trinkpause zog es uns dann doch noch zum Mario Barth des Metals: JBO. Ich weiß noch wie begeistert ich als frischpubertärer Stimmbruchanwärter die ersten Scheiben verschlang. Leider blieb der Spaß- und Gewitztheitsgrad nicht wirklich erhalten und so musste ich einige wirklich peinliche Minuten verbringen, bis wenigstens „Ein guter Tag zum Sterben“ das Set beendete. Mittlerweile leider wirklich nicht mehr lustig!

Umso besser war allerdings die nächste Band. Turisas waren auf dem diesjährigen Summer Breeze Festival mit Sicherheit eines der absoluten Highlights. Wie man später erfuhr, war es das letzte Konzert der Band mit Bassist Hannes Hormar und Akkordeonistin und Sonnenschein Netta Skog. Allerdings hat deren Abgang nichts an der Leistung auf der Bühne geändert. Von „To Holmgard And Beyond“ bis „Stand Up And Fight“ gab es jegliche Hymne zu hören und das Publikum dankte es mit wildem Crowdsurfing und absolut ausgelassener Partystimmung. Da Warlord und Co. allerdings nicht mit einer so langen Spielzeit gerechnet hatten, mussten sie sich spontan dazu entscheiden noch eine extralange Version des Klassikers „Rasputin“ zu zelebrieren. Immer wieder erstaunlich, wie Turisas die wahrscheinlich einzige wirkliche Metalband ist, die auch die mürrischsten Metalheads zum Tanzen bringt.  Es war ein einziges Fest und eine absolute Höchstleistung!

Weiter ging es mit Bolt Thrower, die ihrem Namen ebenfalls alle Ehre machten. Der Begriff „Doublebase“ bekommt hier einfach einen anderen Ausdruck, denn was hier abgezogen wurde, ist nur mit Corpsegrinder Fischers Worten auszudrücken: „Hammer Smashed Face!“ Die midlifekriselnden Musiker haben die Äxte geschwungen und rohes Fleisch, Blut und gebrochene Knochen hinterlassen. Es ist außerdem immer wieder schön zu sehen, dass derartige Bands sowohl junge als auch alte Fans aus vielen verschiedenen Subgenres zusammenbringen. Hier konnte sich wirklich jeder seine Gesichtsgrätsche abholen.

Direkt paradox wirkten im Gegensatz dazu die im Party Zelt auftretenden Graveyard. Gerade wollte man noch Fleisch von Knochen reißen, da darf man schon wunderbaren 60/70er Melodien lauschen und sich von heroisch anmutenden Nostalgieliebhabern die gute alte Zeit ins Gedächtnis rufen lassen. Der frühe Lemmy hätte es nicht besser machen können und dabei außerdem nicht anders ausgesehen. Bis ins letzte Detail eine authentische und überzeugende Vorstellung.

Einen weiteren Programmpunkt bildeten die Jungs von Neaera, die einen mörderischen Circlepit anzettelten. Einmal um das gesamte Mischpult und alle Wellenbrecher, die im Zelt vielleicht etwas zu groß bemessen waren. Menschen fliegen durch die Luft, Arme und Beine unter Stiefeln und über berucksackten Hardcorejüngern. Ein guter Schlusspunkt für diesen Abend. Lassen wir uns überraschen was der dritte und letzte Tag noch bringt.

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Hadem ♠

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